Wuppertal hilft Rojava • Aufruf

Die Zärtlichkeit der Bevölkerungen: „Tag und Nacht für Rojava“

Beteiligt euch an der Spendenaktion „Wuppertal hilft Rojava“!

Sonn­tag, 22. Dezem­ber 2019 – „Ein Tag für Roja­va“
City­Kir­che Elber­feld, Kirch­platz 1, Wup­per­tal-Elber­feld, ab 15 Uhr

Sams­tag, 28. Dezem­ber 2019 – „Eine Nacht für Roja­va“
Auto­no­mes Zen­trum Wup­per­tal, Mar­ko­man­nen­stra­ße 3, Wup­per­tal-Elber­feld

„Wup­per­tal hilft Roja­va“ ist eine Spen­den­ak­ti­on soli­da­ri­scher Wuppertaler*innen für die Arbeit von med­ico inter­na­tio­nal und Hey­va Sor a Kur­di­stanê. Die Erlö­se der Spen­den­ak­ti­on wer­den für die huma­ni­tä­re Arbeit in Rojava/ Nord­sy­ri­en ver­wen­det. Ihr könnt euch ab sofort mit einer Spen­de betei­li­gen. Mit der Über­wei­sung eines Betra­ges ab Euro 85,00 bis zum 22.12.2019 kauft ihr eines der auf der Web­site abge­bil­de­ten sechs Fotos von Mark Mühl­haus (atten­zio­ne pho­to­graph­ers) aus dem Jahr 2015.

Spen­den­kon­to: Regio­nal­bü­ro Arbeit u. Leben Berg-Mark; GLS Bank Bochum IBAN: DE89 4306 0967 4023 5015 01 (Stich­wort: Roja­va)

Wor­um geht es?

Nach mona­te­lan­gen Dro­hun­gen über­fiel die tür­ki­sche Armee Anfang Okto­ber das selbst­ver­wal­te­te Roja­va im Nor­den Syri­ens. Zusam­men mit unter ihrem Kom­man­do ste­hen­den isla­mis­ti­schen Mili­zen besetz­te sie einen Teil der Regi­on an der Gren­ze zur Tür­kei. Vie­le Men­schen ver­lo­ren ihr Leben oder ihre Gesund­heit, tau­sen­de ande­re wur­den als „Ungläu­bi­ge“ oder weil sie Kurd*innen, Yezid*innen oder Christ*innen waren, aus ihrem Zuhau­se ver­trie­ben.

Nach­dem die US-Trup­pen die Regi­on flucht­ar­tig ver­lie­ßen, erziel­ten Russ­land, die Tür­kei und das Regime in Damas­kus eine Eini­gung über Inter­es­sen­sphä­ren. Die teil­wei­se Beset­zung durch die Tür­kei wur­de als Ende des Krie­ges ver­kauft. Die Eini­gung kos­te­te Roja­va zunächst die Selbst­ver­tei­di­gung. Die SDF-Mili­zen, die zuvor die Sicher­heit garan­tier­ten, muss­ten sich aus einem 30 Kilo­me­ter brei­ten Strei­fen ent­lang der Gren­ze zurück­zie­hen und ihre Pos­ten an Trup­pen des Assad-Regimes abge­ben. Dort befin­den sich unter ande­rem auch die kur­di­schen Groß­städ­te Kobanê und Qamiş­lo. Dadurch sind alle demo­kra­ti­schen Errun­gen­schaf­ten bedroht: Eine alle Grup­pen betei­li­gen­de Selbst­ver­wal­tung, ein demo­kra­ti­sier­tes Schul­we­sen, eine Gesund­heits­ver­sor­gung für alle, vor allem aber die Betei­li­gung von Frau­en auf allen gesell­schaft­li­chen Fel­dern.

Unge­ach­tet des Teil­rück­zugs der SDF-Kämper*innen geht der Krieg wei­ter. Vor allem die von der Tür­kei aus­ge­rüs­te­ten isla­mis­ti­schen Mili­zen füh­ren den Feld­zug gegen anders- oder nicht­re­li­giö­se Men­schen, gegen Frau­en, spe­zi­ell gegen Kurd*innen oder Yezid*innen fort. Anders­den­ken­de und ‑gläu­bi­ge wer­den nach wie vor gejagt oder ver­trie­ben. Eini­ge der Ange­hö­ri­gen der isla­mis­ti­schen Mili­zen wur­den inzwi­schen als IS-Mili­zen­füh­rer iden­ti­fi­ziert, die offen­bar ganz per­sön­lich Rache für die Nie­der­la­ge in Kobanê neh­men wol­len. Vie­le durch Ter­ro­ris­ten began­ge­ne Kriegs­ver­bre­chen wur­den in den letz­ten Wochen doku­men­tiert. 

Erklär­tes Ziel der Tür­kei ist es, in die Tür­kei geflüch­te­te Syrer*innen auch zwangs­wei­se im vor­wie­gend von Kurd*innen bewohn­ten Nord­sy­ri­en anzu­sie­deln. Bei­des ver­stößt ekla­tant gegen inter­na­tio­na­les Recht. Die Ver­trei­bung von Bevöl­ke­run­gen ist auch nach offi­zi­el­ler Les­art ein Geno­zid, zwangs­wei­se Abschie­bun­gen Geflüch­te­ter in ein Kriegs­ge­biet ver­sto­ßen gegen das Gen­fer Flücht­lings­ak­bom­men. Zuguns­ten des Erhal­tes des damit end­gül­tig absur­den „Flücht­lings­de­als“ zwi­schen Anka­ra und Brüs­sel las­sen Deutsch­land und die EU ihren NATO-Part­ner Tür­kei den­noch unge­stört gewäh­ren. Die Abwehr von flüch­ten­den Men­schen ist inner­halb Euro­pas inzwi­schen kon­sens­fä­hi­ger als ein Ein­tre­ten gegen völ­ker­rechts­wid­ri­ges Han­deln.

Die ers­te wiedereröffnete Schu­le in Koba­nê nach dem Krieg.

Foto aus der med­ico-Aus­stel­lung „Back to Roja­va“ mit Bil­dern von von Mark Mühlhaus (atten­zio­ne pho­to­graph­ers). Das Bild kann gegen eine Spen­de ab 85 Euro erwor­ben wer­den

Rückkehr nach Koba­nê

Fotos der Aus­stel­lung „Back to Roja­va“ mit Bil­dern von von Mark Mühlhaus (atten­zio­ne pho­to­graph­ers). Die Bil­der kön­nen gegen eine Spen­de ab 85 Euro erwor­ben wer­den

Flücht­lin­ge keh­ren in Bus­sen aus der tür­kisch-kur­di­schen Grenz­stadt Suruç (kur­disch Pir­sûs) ins befrei­te Kobanê (ara­bisch Ain al-Arab) zurück, New­roz-Fest am 21. März 2015.

Wir füh­len uns den Men­schen in Roja­va ver­pflich­tet

Aus ein­zel­nen Län­dern Euro­pas gibt es zumin­dest Hilfs­zu­sa­gen für die in Roja­va ange­grif­fe­nen und ver­trie­be­nen Men­schen, so ent­schied die Stadt Zürich am 12. Dezem­ber, 400.000 SFr für huma­ni­tä­re Hil­fe zu bewil­li­gen. In Deutsch­land, wo statt­des­sen vie­le Unterstützer*innen der syri­schen Kurd*innen kri­mi­na­li­siert wer­den,  bleibt es hin­ge­gen Ein­zel­per­so­nen und Orga­ni­sa­tio­nen wie med­ico inter­na­tio­nal über­las­sen, dem über­fal­le­nen Roja­va zu hel­fen. Wir füh­len uns den Men­schen in Roja­va, die die Haupt­last des Kamp­fes gegen den IS getra­gen haben, und die mit ihrer Selbst­ver­wal­tung ein Bei­spiel gleich­be­rech­tig­ter und demo­kra­ti­scher Prin­zi­pi­en geben, ver­pflich­tet.

Part­ner der Wup­per­ta­ler Spen­den­ak­ti­on sind med­ico inter­na­tio­nal und Hey­va Sor a Kur­di­stanê (Kurd. Roter Halb­mond). Der med­ico-Part­ner ist der­zeit die letz­te in der Regi­on ver­blie­be­ne NGO, die den Men­schen in der unüber­sicht­li­chen Situa­ti­on mit tür­ki­schen, rus­si­schen und syri­schen Trup­pen sowie isla­mis­ti­schen Mili­zen hilft. Zuneh­mend feh­len ihr jedoch die Mit­tel um die not­wen­di­ge Ver­sor­gung der in eiligst errich­te­te Lager geflüch­te­ten Men­schen zu sichern. Mit dem begin­nen­den Win­ter droht eine huma­ni­tä­re Kata­stro­phe. Hey­va Sor a Kur­di­stanê benö­tigt des­halb drin­gend Unter­stüt­zung, um die Men­schen in den kriegs­zer­stör­ten Gebie­ten und Flücht­lings­la­gern durch die nächs­ten Mona­te zu brin­gen.

Bei zwei Ver­an­stal­tun­gen soll mög­lichst viel Geld ein­ge­sam­melt wer­den. Zen­tra­le Spen­den­ver­an­stal­tung wird der „Tag für Roja­va“ zwei Tage vor Hei­lig­abend in der Elber­fel­der City­Kir­che sein. (Sonn­tag, den 22.12.2019, Wup­per­tal-Elber­feld, Kirch­platz 1, ab 15 Uhr.). Nach Weih­nach­ten folgt am Sams­tag, den 28.12.2019 die „Nacht für Roja­va“ mit einer Soli-Elek­tro­par­ty im AZ Wup­per­tal.

Der Angriff und das Allein­las­sen der Men­schen betref­fen alle

Der tür­ki­sche Angriff und das Allein­las­sen der Men­schen in Roja­va betrifft alle, die an eine demo­kra­ti­sche Gesell­schaft glau­ben. Bis zum Beginn der tür­ki­schen Inva­si­on wur­de in der Regi­on eine demo­kra­ti­sche, mul­ti­eth­ni­sche und mul­ti­re­li­giö­se Selbst­ver­wal­tung auf­ge­baut, wodurch nach dem Sieg über die IS-Ter­ro­ris­ten eine weit­ge­hend fried­li­che Enkla­ve in Syri­en geschaf­fen wer­den konn­te. Der Angriff der Tür­kei erfolg­te vor allem wegen die­ses begon­ne­nen basis­de­mo­kra­ti­schen Pro­jekts: Von Erdo­gan (wie von allen Herr­schen­den der umge­ben­den auto­kra­tisch-patri­ar­cha­len Staa­ten)  wird eine demo­kra­ti­sche und gleich­be­rech­tig­te gesell­schaft­li­che Ord­nung in Roja­va als exis­ten­zi­el­le Bedro­hung wahr­ge­nom­men.

Der „Tag für Roja­va“ am Sonn­tag, 22.12.

Des­halb wol­len wir am 22. Dezem­ber auch über das „Modell Roja­va“ infor­mie­ren: Mit Dis­kus­si­ons­run­den im Café der Kir­che und einem abschlie­ßen­den Podi­um wol­len wir Aspek­te des demo­kra­ti­schen Pro­jekts beleuch­ten und über die ver­blei­ben­den Per­spek­ti­ven des „Modells Roja­va“ reden.

Wir wer­den u.a. über die Rol­le der Frau­en spre­chen, die beim Auf­bau und der Ver­tei­di­gung Roja­vas gegen isla­mis­ti­sche Mili­zen eine her­aus­ra­gen­de Bedeu­tung haben. Wei­ter­hin beschäf­ti­gen wir uns mit den Grund­la­gen des fried­li­chen mul­ti­eth­ni­schen und mul­ti­re­li­giö­sen Zusam­men­le­bens von Kurd*innen, Araber*innen, Yezid*innen, Muslimin*innen, Christ*innen und säku­la­ren Men­schen. Bei der abschlie­ßen­den Podi­ums­dis­kus­si­on ste­hen schließ­lich die Per­spek­ti­ven des „Modells Roja­va“ im Fokus.

Par­al­lel dazu gibt es den gan­zen Tag über Pro­gramm im Kir­chen­raum: Nach der Eröff­nung der Aus­stel­lung wird Wah­det­tin Kilic vom Kur­di­schen Roten Halb­mond (Hey­va Sor a Kur­di­stanê) zu Beginn über die aktu­el­le Lage in Nord­sy­ri­en berich­ten. Es fol­gen musi­ka­li­sche Bei­trä­ge von „Koma Viyan“ aus Wup­per­tal und am Abend von „Den­gê Xwa­zayê“ aus Köln. Dazwi­schen gibt es Film­bei­trä­ge und eine Ver­stei­ge­rung der Fotos aus der Aus­stel­lung zuguns­ten von Hey­va Sor a Kur­di­stanê. Die Aus­stel­lung „Back to Roja­va“ prä­sen­tiert Foto­gra­fi­en von Mark Mühl­haus (atten­zio­ne pho­to­graph­ers), Roja­va wäh­rend und nach der „Schlacht um Kobanê“ 2015 in Roja­va ent­stan­den sind.

Wir brau­chen eure Unter­stüt­zung!

Kommt am 22. oder 28.12. zu einer der Ver­an­stal­tun­gen! Schaut nach, wie­viel ihr für die Men­schen in Roja­va erüb­ri­gen könnt! Plün­dert eure Spar­schwein! Wenn ihr kein Geld bei­steu­ern könnt: Erzählt allen von der Spen­den­ak­ti­on, teilt die Ver­an­stal­tung auf Face­book und ver­brei­tet die Adres­se unse­rer Home­page!

Wir ver­las­sen uns auf euch!